CycloWatt, ein Schweizer Unternehmen mit Wurzeln in der ETH Zürich, hat am 1. März eine Kickstarter-Kampagne für einen Leistungsmesser auf Basis von Schuhplatten gestartet. Das Gerät misst die Leistung über die Schuhplatten und nicht über die Pedale oder Kurbeln und kostet in der ersten Unterstützungsrunde etwa €165 (179 CHF Standard). Innerhalb von 24 Stunden brachte die Kampagne fast das Dreifache des Startbetrags von 3'600 CHF ein.
Der Clou: Da sich der Sensor in der Schuhplatte befindet, bewegt sich Ihr Leistungsmesser mit Ihren Schuhen. Vom Winterrad zum Sommerrad oder von draußen auf den Trainer, ohne Pedale oder Kurbeln zu wechseln.
Wie funktioniert das?
Die CycloWatt-cleat ist kompatibel mit Shimano SPD-SL und Blick Keo (3-Schrauben-Straßensysteme). Im Inneren der Klampe befindet sich eine Wägezelle (Kraftmessung über eine Wheatstone-Brücke, bis zu 1.000 Newton) kombiniert mit einem IMU Von ST Microelectronics. A STM32L4-Mikrocontroller verarbeitet die Daten lokal mit einem neuronalen Netz, einer Technik, die als TinyML.
Die wichtigsten Daten laut CycloWatt:
- Genauigkeit: ±3% (behauptet)
- Lebensdauer der Batterie: 48 Stunden Fahrtzeit
- Aufladen: Magnetverbinder
- Konnektivität: Bluetooth und ANT+
- Stapelhöhe: +5 mm (Team arbeitet an der Reduzierung)
- Auswechselbare Stollenteile: CHF 15 (~€14,50)
- Keine proprietäre App erfordert
Genauigkeit: Anspruch versus akademische Daten
CycloWatt behauptet eine Genauigkeit von ±3%, aber akademische Arbeiten des Teams selbst zeigen ein anderes Bild. In kontrollierten Tests in Innenräumen betrug der mittlere absolute Fehler (MAE) 12,29 Watt (4.1%). Draußen, das lief zu 15,32 Watt (5.1%). Das Modell wird trainiert gegen Etappen Radsport R7000 Kurbel-Powermeter.
Im Vergleich dazu sind etablierte Tretkraftmesser wie der Favero Assioma Duo (±1%, rund €500-€600) und die Garmin Rally 210 (±1%, rund €930) bieten eine wesentlich höhere Präzision. Eine kurbelbasierte Option wie die 4iiii Genauigkeit 3 (±1%, von €300) ist ebenfalls genauer, wenn auch nicht so einfach zwischen den Fahrrädern zu wechseln.
Für Freizeitsportler und Grundlagentraining kann 4-5% nützlich sein. Für diejenigen, die mit Wattleistung und strukturierten Intervallen trainieren, ist es ein relevanter Unterschied.
Stapelhöhe: 5 mm ist kein Detail
Die aktuelle Version enthält 5 mm zum Abstand zwischen Schuh und Pedal hinzu. Das klingt wenig, hat aber Auswirkungen auf die Passform des Fahrrads, den Kniewinkel und das Gefühl des Kontakts mit dem Pedal. Mitbegründer Levi Luder sagt, dass das Team vor der Auslieferung noch die Stapelhöhe senken will. “Wir glauben, dass wir die Entwicklung und den abschließenden Test bis Ende Mai abschließen können, da das Feedback sehr positiv war”, sagte Luder gegenüber road.cc.
Das Produkt befindet sich noch in der “Endphase der Entwicklung”.
Crowdfunding und Stromzähler: eine heikle Kombination
In der Geschichte der über Crowdfunding finanzierten Stromzähler gab es mehrere Misserfolge. Zwei Beispiele.
iQsquare (IQ²) 2018 einen Pedaladapter-Leistungsmesser für 149 € auf den Markt gebracht und fast 3 Millionen Euro durch Crowdfunding. Während der Massenproduktion stellte sich heraus, dass das Design aufgrund von Schraubgewinden irreparable Messfehler aufwies. Das Unternehmen wechselte zu einem völlig anderen Pedaldesign, verpasste jahrelang Liefertermine und schloss schließlich 2025 seine Pforten. Die Unterstützer standen ohne Produkt und ohne Geld da.
Gebrüder Brim sammelte 2016 160.000 Pfund für ein auf Stollen basierendes System, das das gleiche Konzept wie CycloWatt verfolgt. Das Unternehmen wurde noch im selben Jahr geschlossen, ohne ein einziges Produkt zu liefern.
Kickstarter selbst warnt ausdrücklich: “Kickstarter ist kein Geschäft. Das Risiko wird nie vollständig eliminiert werden.”
Das bedeutet nicht, dass CycloWatt das gleiche Schicksal ereilt. Das Team verfügt über akademische Publikationen, einen funktionierenden Prototyp und eine klare technische Grundlage der ETH Zürich. Aber der Schritt vom Prototyp zur Massenproduktion ist genau der Punkt, an dem Hardware-Startups stecken bleiben. Laut einem Hardware-Berater John Teel von Predictable Designs: “Unternehmer neigen dazu, die Komplexität, die Kosten und die Zeit zu vernachlässigen, die nötig sind, um ihr Produkt von einem Prototyp bis zur Massenproduktion zu skalieren.”
Worauf würden Sie als Geldgeber achten?
- Unabhängige Validierung der Genauigkeit durch Dritte
- Konkreter Produktionsplan und Liefertermin
- Wasserdichter magnetischer Ladeanschluss
- Ob die Stapelhöhe vor der Abgabe tatsächlich sinkt
- Erstattungspolitik bei Verzögerung des Projekts
Ray Maker (DC Rainmaker) brachte es einmal in Bezug auf über Crowdfunding finanzierte Stromzähler auf den Punkt: “Wenn ich es nicht anfassen und in meinen Händen spüren kann, ist es nicht real. Das Gleiche gilt für Daten: Wenn ich die Daten nicht mit meinen eigenen Augen sehen kann, sind sie wahrscheinlich noch nicht fertig.”
Die CycloWatt Kickstarter-Kampagne läuft bis zum 31. März 2026. Mehr Infos unter Kickstarter.de.


